Die Stille dokumentieren: Ein Besuch in Auschwitz (18.10.2022)

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Es gibt Orte, an denen die Kamera schwer in der Hand liegt. Der 18. Oktober 2022 war ein kühler Herbsttag, an dem wir das ehemalige Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau besuchten. Für mich als Fotograf war es eine besondere Herausforderung: Wie hält man das Unfassbare fest, ohne die Würde des Ortes zu verletzen?

Auschwitz I – Die Enge der Steine

In Auschwitz I, dem Stammlager, ist die Atmosphäre durch die Backsteinbauten und die engen Gassen zwischen den Blocks geprägt. Hier fokussierte ich mich mit meiner Kamera auf die Details, die das System der Entmenschlichung verdeutlichen.

  • Das Tor: Das ikonische „Arbeit macht frei“-Tor im grauen Oktoberlicht zu sehen, ist erschütternd. Hier ist keine brillante Farbsättigung gefragt; die entsättigten Töne des Herbstes unterstrichen die Schwere des Motivs.
  • Die Texturen: Der Stacheldraht, die rostigen Isolatoren an den Betonpfosten, die abgetretenen Steinstufen. Diese Makroaufnahmen erzählen oft mehr über die Geschichte als ein weites Panorama. Die Canon EOS RP erlaubte es mir hier, durch das Spiel mit der Tiefenschärfe den Fokus ganz gezielt auf diese Symbole der Gefangenschaft zu legen.

Auschwitz II-Birkenau – Die schiere Größe

Der Wechsel nach Birkenau verändert die fotografische Perspektive radikal. Während in Auschwitz I die Enge dominiert, ist es in Birkenau die Weite, die einen erschlägt.

  • Die Fluchtlinien: Die unendlichen Schienenstränge, die unter dem Torhaus hindurchführen, ziehen das Auge des Betrachters unaufhaltsam in die Tiefe des Geländes. In der Fotografie nutzen wir solche Linien oft für eine schöne Bildkomposition – hier jedoch führen sie direkt ins Verderben. Es ist ein Motiv, das beim Auslösen innehalten lässt.
  • Die Ruinen: Die Überreste der Krematorien und die endlosen Reihen von Schornsteinen der abgebrannten Holzbaracken im hinteren Teil des Lagers. Hier nutzte ich oft das Weitwinkel, um die monströse Dimension des Geländes einzufangen. Der weite, oft wolkenverhangene Himmel über dem Gelände verstärkte das Gefühl der Verlorenheit.

Die Ethik des Bildes

Beim Fotografieren an einem solchen Ort stellt man sich ständig die Frage: Darf ich das? Die Bilder, die an diesem Tag entstanden sind, dienen nicht der Selbstdarstellung. Sie sind Zeugnisse. In den Innenräumen, vor den persönlichen Gegenständen der Opfer, blieb die Kamera oft bewusst in der Tasche – aus Respekt.

Fazit

Der 18. Oktober 2022 hinterlässt eine stille Bildstrecke. Es sind keine „schönen“ Fotos im klassischen Sinne, sondern mahnende Dokumente. Die Fotografie hilft hier, das Gesehene zu verarbeiten, den Blick zu schärfen und die Erinnerung wachzuhalten. Es war ein Tag, der zeigt, dass die wichtigste Linse eines Fotografen oft die eigene Empathie ist.

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