Lichtmagie im Tierpark (30.12.2025)

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Ein Besuch wie der gestrige bei „Weihnachten im Tierpark“ ist für uns Fotografen Fluch und Segen zugleich: Die Motive sind atemberaubend, aber die technischen Anforderungen an das Equipment sind bei einer nächtlichen Lichtershow enorm. Hier ist mein Rückblick auf den Abend aus der Sicht hinter der Kamera.

Logistik und Set-up

Schon beim Einlass fiel die hervorragende Organisation auf. Ein reibungsloser Ablauf ist für mich essenziell, da ich ungern mit schwerem Rucksack und Stativ in einer ungeordneten Schlange stehe. Die Wegführung war klar strukturiert, was die Planung der „Shooting-Stopps“ erleichterte.

Anmerkung zur Barrierefreiheit: Als Fotograf achtet man oft auf die Bodenbeschaffenheit und Wege. Für die Zukunft wären Abkürzungen für Menschen mit Handicap – und damit auch für Kollegen mit schwerem Roll-Equipment – ein echter Gewinn für das Gesamterlebnis.

Die technische Herausforderung: Licht & Schatten

Die Illuminationen waren das Herzstück des Abends. Fotografisch gesehen ist dies ein Spiel mit Extremen:

  • Dynamikumfang: Die hell leuchtenden Installationen vor dem tiefschwarzen Nachthimmel des Tierparks erforderten eine präzise Belichtungsmessung, um die Lichter nicht „ausfressen“ zu lassen, während die Details in den Bäumen erhalten bleiben sollten.
  • ISO-Management: Um die Stimmung authentisch einzufangen und das Rauschen in den dunklen Bereichen zu minimieren, war ein feines Händchen bei der Sensorempfindlichkeit gefragt.
  • Perspektive: Die Weitläufigkeit des Parks bot tolle Möglichkeiten für Langzeitbelichtungen, um die Lichtinstallationen in ihrer vollen Pracht zu isolieren.

Der „Trigger“ für den Ausflug

Wie im Text treffend erwähnt: Die Aussicht auf diese speziellen Fotos war für mich der Hauptauslöser für diesen Trip. Es ist die Jagd nach dem perfekten Leuchten, das im Sucher erscheint. In Gesellschaft von Freunden macht das Ganze doppelt Spaß – man teilt die Begeisterung für ein Motiv, während man kurz stehen bleibt, um den Fokus perfekt zu setzen.

Fazit des Abends

Es war ein rundum gelungener Abend. Die Kombination aus erstklassiger Organisation und beeindruckender Lichtkunst hat dafür gesorgt, dass meine Speicherkarten am Ende des Abends gut gefüllt waren. Ein visuelles Fest, das trotz kleiner Optimierungspotenziale bei der Wegführung ein absolutes Highlight zum Jahresabschluss war.

Profi-Tipps für die Nachtfotografie bei Lichtershows

1. Die Kamera-Einstellungen (Manual Mode)

Um die volle Kontrolle über die extremen Kontraste zu behalten, solltest du den Automatikmodus verlassen:

  • Dateiformat RAW: Fotografiere unbedingt im RAW-Format. Es speichert deutlich mehr Informationen in den dunklen Schatten und hellen Lichtern, die du später am Computer retten kannst.
  • ISO-Wert: Halte den ISO-Wert so niedrig wie möglich (z. B. ISO 100 bis 800), um Bildrauschen zu vermeiden. Wenn du kein Stativ hast, musst du ihn höher ansetzen (bis ca. 3200), um Verwacklungen zu vermeiden.
  • Blende ($f$): Eine mittlere Blende (z. B. $f/8$ oder $f/11$) sorgt für durchgehende Schärfe. Wenn du die Lichter als „Sterne“ darstellen möchtest, schließe die Blende weiter ($f/16$). Für ein schönes Bokeh (unscharfer Hintergrund mit leuchtenden Kreisen) wähle eine kleine Blendenzahl ($f/1.8$ bis $f/2.8$).

2. Stabilität ist alles

Da die Belichtungszeiten bei Nacht lang sind (oft mehrere Sekunden), ist Ruhe im Bild entscheidend:

  • Stativ nutzen: Ein stabiles Stativ ist Pflicht für knackscharfe Bilder der Illuminationen.
  • Fernauslöser oder Selbstauslöser: Selbst das Drücken des Auslösers kann die Kamera minimal bewegen. Nutze den 2-Sekunden-Selbstauslöser deiner Kamera, damit sie beim Auslösen bereits wieder völlig still steht.
  • Bildstabilisator ausschalten: Wenn die Kamera auf einem Stativ steht, solltest du den internen Bildstabilisator (IS oder VR) ausschalten, da dieser sonst versucht, Bewegungen zu korrigieren, die gar nicht da sind – das kann zu Unschärfe führen.

3. Der Umgang mit dem Licht

  • Belichtungskorrektur: Die Kameraautomatik denkt oft, das Bild sei zu dunkel und belichtet zu hell. Das führt dazu, dass die Lichter „ausfressen“ (nur noch weiß sind). Belichte lieber etwas knapper ($-0.7$ oder $-1.0$ EV), damit die Farben der Illuminationen satt bleiben.
  • Weißabgleich: Stelle den Weißabgleich manuell auf „Tageslicht“ oder „Kunstlicht“, anstatt auf Auto. So verhinderst du, dass die Kamera versucht, die bunten Lichtfarben wegzugleichen.

4. Kreative Effekte

  • Light Painting & Bewegung: Probiere mal, während einer Langzeitbelichtung (z. B. 2 Sekunden) ganz leicht am Zoomring deines Objektivs zu drehen. Das erzeugt faszinierende Strahlen-Effekte, die von der Mitte ausgehen.
  • Menschen einbeziehen: Nutze Silhouetten deiner Freunde im Vordergrund vor den hellen Lichtern, um der Szene Tiefe und eine menschliche Komponente zu verleihen.

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