Es gibt eine bestimmte Art von Stille, die Menschen nervös macht. Nicht die Abwesenheit von Lärm – auf einem Betriebshof ist es nie wirklich still –, sondern die emotionale Stille. Die absolute Ruhe in der Stimme. Das unerschütterliche Unaufgeregtsein, wenn um einen herum gerade alles in Flammen steht.
Ich habe im Laufe der Jahre eine Art professionelles Pokerface entwickelt. Das war keine bewusste Entscheidung, die ich irgendwann morgens vor dem Spiegel getroffen habe, sondern schlicht eine evolutionäre Notwendigkeit im Fahrbetrieb. Wenn man sich jeden Tag den Wahnsinn in Dosen abholt, hat man irgendwann genau zwei Möglichkeiten: Man brüllt mit, oder man wird leise. Ich habe mich für Letzteres entschieden.
Das Problem – oder vielleicht auch das Schöne – an dieser Ruhe ist, dass sie der perfekte Nährboden für Sarkasmus ist. Nicht die laute, zynische Variante, die verletzen will. Sondern der staubtrockene, oft unerwartete Galgenhumor. Er ist meine persönliche Betriebstemperatur. Mein Filter zwischen dem, was ich eigentlich sagen möchte, und dem, was sozial gerade noch verträglich ist.
Wenn jemand vor mir steht, der zum dritten Mal in Folge ein Formular so ausfüllt, als hätte er zum ersten Mal in seinem Leben einen Stift in der Hand, und mich dann mit großen Augen ansieht, explodiere ich nicht. Ich schaue ihn an. Lange. Ohne eine Miene zu verziehen. Und dann sage ich mit der sanftesten, entspanntesten Stimme, die ich finden kann: „Das ist das Faszinierende an unserem Beruf. Er überrascht uns jeden Tag aufs Neue mit Dingen, die seit zwanzig Jahren auf Seite eins im Handbuch stehen.“
Die Reaktionen auf diese Art der Kommunikation teilen die Belegschaft in zwei Lager. Es gibt kein Dazwischen.